Further Drachenstich

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Der Ritter reitet gegen den Drachen an.

Der Drachenstich in Furth im Wald ist ein Volksschauspiel mit einer Tradition von annähernd 500 Jahren. Er ist für die Bevölkerung der Höhepunkt des Jahres. Ursprünglich war das „Drachenstechen“ Bestandteil des Fronleichnamszugs. Später wurde der Drachenstich von der Kirche losgelöst und als Festspiel neu geboren.[1]

Geschichte

  • Seit Jahrhunderten wird in Furth im der Drache gestochen. Ein erster Hinweis auf dieses Brauchtum findet sich im Further Ratsbuch von 1590. Wie weit die Tradition des Drachenstechens von dort aus noch in die Vergangenheit zurückreicht, das wird sich wohl nie mehr feststellen lassen. Zu viele alte Aufzeichnungen sind im Lauf der Jahrhunderte an der stets umkämpften bayerisch-böhmischen Grenze ein Raub der Flammen geworden. Und so blicken die Further Bürger stolz auf eine Tradition zurück, die man wohl mit mindestens 500 Jahren beziffern kann. Das macht den Drachenstich zum ältesten Festspiel Deutschlands - und auch vermutlich Europas.
  • Ursprünglich war der Drachenstich ein effektvoller theatraler Bestandteil der Fronleichnamsprozession. Mit solchen anschaulichen Heiligendarstellungen setzte die Katholische Kirche im Zuge der Gegenreformation allen "Bilderfeinden" der protestantischen und hussitischen Bewegungen eine beeindruckende Bilderpracht entgegen.
  • Zunehmend geriet der Drachenstich auch zu einer volksnahen Belustigung. Kein Wunder, dass die Kirche gegen diese Volksbelustigung seit 1754 mehrfach einschreitet und sie aus dem Fronleichnamszug verbannen will. Auch das strikteste Verbot, 1878 ausgesprochen, wird von den Furthern schlichtweg ignoriert. Als der Pfarrer am Fronleichnamstag mit dem Allerheiligsten aus der Kirche tritt, steht ihm da ein stichfertiges Drachen-Ensemble gegenüber, das sich wie eh und je in den Zug einreihen will. Der Pfarrer macht auf dem Absatz kehrt und verlegt kurzerhand die gesamte Prozession in die Enge des Gotteshauses. Der Drache wird dennoch auf dem Stadtplatz gestochen, ob mit oder ohne Pfarrer.
    Historische Darstellung des Drachenstichs aus dem 19. Jahrhundert
    Historische Darstellung des Drachenstichs aus dem 19. Jahrhundert.
    Das Verbot des Regensburger Bischofs und strenge Regieanweisungen bewirkten bei den Furthern erbitterten Widerstand: Sie werfen die Fenster des Pfarrhofs ein und wollen nicht von ihrem Drachen lassen. Endlich einigt man sich: Der Drachenstich ist ab 1879 ein eigenständiges Festspiel und überlebt so bis heute.[2]

Festspiel

Udo wird zum Ritter geschlagen, der dann den Drachen tötet.
Ritterschlag

Im Jahr 2006 schlägt der Drachenstich schließlich ein neues Kapitel auf: Der Autor und Regisseur Alexander Etzel-Ragusa kreiert ein neues Festspiel, das den Drachenstich in die Zukunft führen soll. Einerseits zeichnet ein respektvoller Umgang mit der großen Vergangenheit des Drachenstichs dieses Festspiel aus. Andererseits ist es aber auch sichtlich für die Zuschauergeneration von Heute geschrieben: Spektakulärer, reicher an Aktion, Bildern und Emotionen. Im neuesten Licht der historischen Forschung werden jetzt die Ereignisse um die verhängnisvolle Hussitenschlacht bei Taus betrachtet, die dem Stück seine geschichtliche Grundlage geben. Die Mystik des Mittelalters und die Mythen des Drachen sind prägende Elemente des Festspiels. Und aus den Augen des Zuschauers von heute stellt es die Fragen der Gegenwart an die Ereignisse der Vergangenheit. Sei es die Frage nach dem verantwortungsvollen Umgang des Menschen mit der Schöpfung, sei es das ewige Rätsel um die Existenz Gottes oder das bis heute immer wieder auflodernde Problem des religiösen Fanatismus.[3]

Immaterielles Kulturerbe

Der Further "Drachenstich" ist mit seiner annähernd 500-jährigen Tradition das älteste Volksschauspiel Deutschlands. Dafür erhielt er einen besondere Ehre: Der Drachenstich wurde von der Bildungsminister-Konferenz und der deutschen UNESCO-Kommission 2018 in die Bundesliste des "Immateriellen Kulturerbes" aufgenommen. Die Gremien bezeichnen den Drachenstich als „Beispiel für die Entwicklungsfähigkeit einer Kulturform im politisch-regionalen Kontext in der Mitte Europas“ und begründen die Aufnahme durch die partizipative, wandlungsfähige und offene Form und die lange Tradition des Brauchs.[4]

Further Drache

Der Further Drache ist der größter Schreitroboter der Welt
Der Further Drache ist der größter Schreitroboter der Welt

Seit 2001 existierten erste Planungen zum Bau eines neuen Drachens für das Festspiel. Am 15. Juli 2006 wurde bekanntgegeben, dass die Finanzierung eines neuen Drachen gesichert ist; im Februar 2007 startete das Hauptprojekt zu dessen Realisierung. In neun Jahren Planungs- und Bauzeit entstand in der Firma Zollner Elektronik in Zandt ein 15,5 Meter langer, 3,8 Meter breiter, 4,5 Meter hoher und 11 Tonnen schwerer Laufroboter, der auf seinen 4 Füßen gehen kann. Die Kosten betrugen 2,3 Millionen Euro. Er wurde am 2. Juli 2010 in Furth empfangen. Der Drache wird mittels 4 Funkfernbedienungen gesteuert. Angetrieben wird er von einem 140 PS Pumpe-Düse Dieselmotor. Mittels Flüssigas und Lykopodium kann er Feuer aus den Nüstern und aus dem Rachen speien. 2012 wurde er als größter Schreitroboter der Welt in Berlin in das Guinessbuch der Rekorde als "Weltweit größter vierbeiniger Schreitroboter" aufgenommen. Hierfür musste er eine Strecke von 10 Metern auf seinen eigenen 4 Füßen bewältigen. [5]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. https://www.unesco.de/staette/further-drachenstich/
  2. Der Drachenstich. Perlinger, Furth im Wald 1953, S. 5–8.
  3. https://www.drachenstich.de
  4. https://www.unesco.de/staette/further-drachenstich/
  5. https://www.further-drache.de