Kartoffelbrennereien in der Oberpfalz
Kartoffelschnaps? Jeder zuckerhaltige Rohstoff eignet sich zur Alkoholherstellung. Bei Kartoffeln ist es dabei nötig, die Stärke in den Knollen zunächst durch Dämpfen aufzuschließen. Die gelöste Stärke kann dann durch das Enzym Amylase (z.B. aus Grünmalz) im Maischeprozess verzuckert werden. Im anschließenden Gärprozess wird mit Hilfe von Hefen der Zucker in Alkohol und Kohlendioxid umgewandelt. Durch Destillation der vergorenen Maische wird schließlich der Rohalkohol von der Schlempe getrennt. Die Schlempe, der eiweißhaltige Rest, dient als Viehfutter. So einfach ist das - in der Theorie. In der Praxis ist für eine hohe Ausbeute ein Brennmeister mit guter Ausbildung und etwas Geschick vorteilhaft.
Für Rohalkohol sind auch die Begriffe Branntwein, Spiritus oder Sprit gebräuchlich. Im Laufe der Zeit hat sich die Technologie so verbessert, dass Rohsprit mit 96% vol. Alkohol erzeugt werden konnte.
Gutsbrennereien
Ab 1850 wurden in der Oberpfalz erste Kartoffelbrennerei eingerichtet, meist auf größeren Gutsbetrieben. In „Handbuch des Großgrundbesitzes in Bayern“ vom Jahre 1879 sind bereits 26 Gutsbrennereien genannt:
Bezirksamt | Ort |
---|---|
Amberg |
Altenweiler, Langenbruck |
Burglengenfeld |
Fronberg, Naabeck, Siegenthann, Teublitz |
Eschenbach |
Hammergänlas |
Hemau |
Eichhofen-Rammelstein, Sandersdorf, Wildenstein |
Kemnath |
Reuth, Thumsenreuth |
Neustadt a.d. Waldnaab |
Röthenbach |
Regensburg |
Aukofen, Bruckhof, Johannishof, Hellkofen (Kirchbauerhof), Köfering, Gebelkofen, St. Gilla, Haimbuch, Schafhöfen |
Roding |
Falkenstein |
Stadtamhof |
Wolfersdorf, Karlstein |
Tirschenreuth |
Wendern |
Das 1887 erlassene Branntweinsteuergesetz mit der Vergabe von Brennkontingenten ließ die Zahl der Brennereibetriebe bis 1900 auf ca. 70 ansteigen. Der Thurn und Taxis’sche Betrieb in Barbing-Kreuzhof verfügte über das größte Brennkontingent von 2.562 hl, es folgten der von Seinsheim’sche Gutsbetrieb Sünching-Schafhöfen und das von-Puricelli’sche Gut Aukofen. Bereits 1880 hatte sich in Regensburg der „Verein für Spiritus-Produzenten und Fabrikanten“ gegründet. Der Verein bemühte sich um eine Verbesserung der Brennereitechnologie und förderte die Ausbildung von Brennereitechnikern. Aus seinem Brennereilabor wurde bald ein brennereitechnisches Institut, das 1898 nach Weihenstephan übersiedelte und an der neugegründeten Akademie den Grundstock für die „Königliche Versuchs- und Lehrbrennerei“ bildete. Der Regensburger Verein hatte hier also Pionierarbeit geleistet. In zunehmendem Maße bemühte sich der Verein aber auch um den Absatz des Rohalkohols, was 1899 zur Gründung der „Spirituszentrale“ für das Deutsche Reich führte. Früher waren für den Absatz die sog. „Schnapsjuden“ zuständig, wobei die Erlöse nicht immer zufriedenstellend waren. Ab 1922 sorgte das staatliche Branntweinmonopol für einen sicheren Absatz.
Gemeinschaftsbrennereien
Erste Gemeinschaftsbrennereien, meist in der Rechtsform der Genossenschaft, gab es bereits ab 1900. Meist entstanden sie in Zuge der Bodenreform aus Gutsbrennereien. In der Oberpfalz war dies der Fall in Schönach, Irl, Siffkofen, Alteglofsheim, Rammelstein, Hohengebraching, Gebelkofen, Zeitlarn und Illkofen.
Als Mittel der Agrarpolitik zur Förderung strukturschwacher Gebiete ermöglichte eine Änderung des Branntweinmonopolgesetzes 1967 die Gründung neuer Gemeinschaftsbrennereien, die jeweils 1.500 hl. Brennkontingent zugeteilt bekamen. Das Förderprogramm passte für die Erdäpfelpfalz, in dieser Zeit entstanden 24 neue Gemeinschaftsbrennereien. Diese trugen wesentlich zur Verbesserung der Absatz- und Verwertungsstruktur bei Kartoffeln bei.
Gemeinschaftsbrennereien in der Oberpfalz, Neugründungen ab 1967:
Landkreis | Ort |
---|---|
Amberg-Sulzbach |
Kemnath am Buchberg |
Cham |
Waldmünchen-Ast, Furth-Grasmannsdorf, Grassersdorf, Obertraubenbach, Roding, Klessing |
Neustadt a.d.Waldnaab |
Mockersdorf, Oberbibrach, Tremmersdorf, Burkhardsreuth, Preißach, Floß, Albersrieth, Kaltenbrunn, Rothenstadt-Pirk, Moosbach, Wöllershof (Gutsbrennerei) |
Schwandorf |
Neuen-Altenschwand, Schönsee |
Tirschenreuth |
Konnersreuth, Hundsbach, Kondrau-Münchenreuth, Pfaffenreuth, Querenbach |
Um Bau- und Betriebskosten zu sparen entstanden dabei in Preißach ein „Zwilling“, im Raum Waldsassen ein „Drilling“, also zwei bzw. drei Brennereien unter einem Dach. Alle Guts- und Gemeinschaftsbrennereien gehörten dem „Verband Bayerischer Landwirtschaftlicher Brennereien e.G.“ mit Sitz im München an, wobei die Interessenlage nicht immer einheitlich war.
Bundesmonopolverwaltung Regensburg
1936 errichtete die Bundesmonopolverwaltung in Regensburg, an der Donaulände, eine Außenstelle mit Lagerhalle, Tankanlagen und Büros. Dort wurde der Rohalkohol angeliefert, zuerst im 600 Liter-Fässern, später mit Tankwagen, vom Zoll gut kontrolliert. Von hier wurden Großkunden und Einzelabnehmer versorgt, Reinigungsanstalten, Hersteller von Trinkalkohol wie Likörfabriken, pharmazeutische, kosmetische und elektrotechnische Betriebe, Essigfabriken, Apotheken, Drogerien, Krankenhäuser, Industriebetriebe für Farben und Folien, Druckereien und der Einzelhandel mit Brennspiritus. Die Außenstelle Regensburg verfügte über eine Lagerkapazität von 6 Millionen Liter Alkohol, ein erhebliches Gefährdungspotential in Sichtweite des Regensburger Domes. Ob dieser einem Störfall standgehalten hätte? Die Gefahr ist gebannt, das Schnapslager wurde zwischenzeitlich abgebaut.
Das Ende
Das seit 1922 bestehende deutsche Branntweinmonopol verpflichtete die Brennereien zur Anlieferung des Rohalkohols an die Monopolverwaltung, die im Gegenzug eine angemessene, an den Herstellungskosten orientierte Vergütung gewährte. Dieses staatliche Monopol entsprach irgendwann nicht mehr den europäischen Wettbewerbsregeln, Kritik von EU-Partnerländern gab es schon lange. Das deutsche Modell war innerhalb der Gemeinschaft nicht mehr haltbar, auch wenn es gut funktionierte. Im Juni 2013 wurde schließlich auf Druck der EU-Kommission das „Gesetz zur Abschaffung des Branntweinmonopols“ beschlossen und nach einer Übergangsfrist mit Ausgleichszahlungen endete es im Dezember 2017. Da die deutschen landwirtschaftlichen Brennereien nicht zu Weltmarktpreisen produzieren konnten, wurde alle Brennereien aufgegeben und stillgelegt. Der Markt wird jetzt von einigen Großkonzernen und vom Ausland versorgt. Ein fragwürdiger Fortschritt!
Literatur
- Franz Donauer: Die bayerische Branntweingeschichte. Zolling 2019
- Theodor Häußler: Erdäpfelpfalz. Das große Kartoffelbuch aus der Oberpfalz. Regensburg 1993, ISBN 978-3-927529-37-3
Weblinks
www.baierwein.de