Landwirtschaftsschulen in der Oberpfalz

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Über 150 Jahre waren die Landwirtschaftsschulen wichtige und erfolgreiche Bildungseinrichtungen für die bäuerliche Jugend. In den meisten Landkreisen der Oberpfalz gab es eine derartige „Winterschule“ die nach Volksschule und Berufsschule auf freiwilliger Basis eine fundierte Fachausbildung bot. Die Abteilung Landwirtschaft, Burschenabteilung genannt, ging über zwei Winterhalbjahre, die Abteilung Hauswirtschaft für die angehenden Bäuerinnen beschränkte sich auf einen Schulwinter. Die Lehrkräfte waren gleichzeitig am jeweiligen Landwirtschaftsamt als Beratungskräfte tätig, was einen guten Kontakt zur landwirtschaftlichen Praxis sicherte.

In einer ersten Phase entstanden in der Oberpfalz die Winterschulen in Regensburg (1868) und Weiden i.d.OPf. (1869). Die Schüler hießen damals „Zöglinge“. Es folgten um 1900 die Schulen Tirschenreuth, Neumarkt i.d.OPf. und Amberg sowie die Klosterschule Plankstetten im Landkreis Beilngries. 1920 konnte die Schule in Kemnath (-Stadt) eröffnen. In der Zeit des Nationalsozialismus entstanden keine weiteren Schulen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte Staatsminister Dr. Alois Schlögl als „Schulengründer“ für einen weiteren Ausbau der Landwirtschaftsschulen. 1951 bestanden in den 19 Landkreisen der Oberpfalz 13 staatliche und eine klösterliche Winterschule. Lediglich die Landkreise Eschenbach, Roding, Waldmünchen, Oberviechtach, Sulzbach-Rosenberg und Riedenburg waren ohne Schule. Die Schüler aus diesen Landkreisen kamen jedoch in den benachbarten Schulen (meist mit Internat) problemlos unter.

Ab 1973 wurde die dreisemestrige Landwirtschaftsschule mit einem fachpraktischen Sommersemester eingeführt. Dabei wurden aus Schülern Studierende. Vor allem in der Abteilung Hauswirtschaft war diese Schulreform weniger erfolgreich. Seit 1992 wird die Hauswirtschaftsschule wieder einsemestrig und in Teilzeitform angeboten. In dieser Form besteht sie bis heute in Regensburg, Weiden i.d.OPf., Tirschenreuth und Cham.

Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft wuchsen mit der Zeit deutlich weniger Hofnachfolger nach, die Nachfrage nach diesem Schultyp ging erheblich zurück. Zu ersten Schulschließungen kam es bereits im Zuge der Gebietsreform 1972, nach der Jahrtausendwende folgten weitere. Derzeit (2025) gibt es die Abteilung Landwirtschaft noch in Weiden i.d.OPf. und in Cham.

Die Landwirtschaftsschulen der Oberpfalz

(nach Gründungsjahr, L= Abtlg. Landwirtschaft, H= Abtlg. Hauswirtschaft

Schule Abtlg. Landkreis Gründung Schließung (Stand 2025)
Regensburg L+H Regensburg 1868 2003 H Teilzeit
Weiden i.d.OPf. L+H Neustadt a.d.Waldnaab 1869 L, H Teilzeit
Neumarkt i.d.OPf. L+H Neumarkt i.d.OPf. 1899 2005
Tirschenreuth L+H Tirschenreuth 1901 2006 H Teilzeit
Amberg L+H Amberg-Sulzbach 1902 2002
Cham L+H Cham 1902 L, H Teilzeit
Plankstetten L Beilngries 1907 1959
Kemnath (-Stadt) L+H Kemnath 1920 1972
Beilngries H Beilngries 1930 1972
Neunburg vorm Wald L+H Neunburg vorm Wald 1948 1972
Burglengenfeld L+H Burglengenfeld 1949 1972
Nabburg L+H Nabburg (Schwandorf) 1949 2022
Vohenstrauß L Vohenstrauß 1950 1972
Parsberg L+H Parsberg 1951 1972

In allen Landkreisen organisierten sich die Schülerinnen und Schüler nach dem Schulbesuch als „Schulfamilie“ in Ehemaligenverbänden (vlf) mit dem Ziel der weiteren Fortbildung, aber auch um die Geselligkeit zu pflegen.

Literatur

Theodor Häußler: Die Landwirtschaftsschulen in der Oberpfalz. Selbstverlag, Pentling 2022

Link: www.baierwein.de