Oberpfälzer Braugerste

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Seit jeher war die Braugerste für die Oberpfälzer Landwirte eine wichtige Marktfrucht. Insbesondere in der westlichen Oberpfalz, im Jura, hatte sie als Sommergerste große Anbaubedeutung. Zu den ersten Erfolgen der Pflanzenzüchtung in der 1920er Jahren gehörte z.B die „Verbesserte Amberger Landgerste“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren große Braugerstengebiete im Osten verloren gegangen. Andererseits stieg der Bierausstoß ab 1950 stark an, Braugerste war also gefragt. Doch die Betriebsmittel dazu wie Dünger, Maschinen, Zugkraft etc. waren knapp. In dieser Zeit verschrieb sich der Vorstand des Landwirtschaftsamtes Sulzbach-Rosenberg, Landwirtschaftsrat Alfred Bitterauf, ganz der Braugerstenförderung, unterstützt von Emil Baumgartner von der Sulzbacher Malzfabrik. Das Landwirtschaftsamt veranstaltete dazu 1950 einen ersten Braugerstenwettbewerb, zunächst als Juragerstenschau. Später beteiligten sich alle Landkreise der Oberpfalz bzw. Landwirtschaftsämter an der „Oberpfälzer Braugerstenschau“, die immer in Sulzbach-Rosenberg stattfand. Für eine gute Ausbeute in der Mälzerei war neben niedrigem Eiweißgehalt ein schönes, großes Korn, ein großer Mehlkörper, gefragt. Bewertet wurden die Gerstenproben von einer Bonitierungskommission aus Fachleuten überwiegend nach den äußeren Kornmerkmalen wie Kornausbildung, Spelzenfeinheit, Spelzenverletzungen und Geruch.

Der Handelsdünger Thomasphosphat, ein Abfallprodukt bei der Stahlerzeugung der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg, passte ideal ins Konzept, sodass die Maxhütte die ersten 20 Jahre die Schirmherrschaft übernahm. Sie finanzierte auch die Laborkosten für die Eiweißuntersuchungen. Bei der jeweiligen Festveranstaltung im Sulzbacher Rathaus bot das Werksorchester den musikalischen Rahmen.

Die Braugerstenschau war stets mit einer großen Fachtagung verbunden, zu der namhafte Referenten aus Politik, Forschung und Wissenschaft, insbesondere aus Weihenstephan, dem Bayerischen Bauernverband sowie aus Handel und Verarbeitung gewonnen werden konnten. Alle bayerischen Landwirtschaftsminister waren in Sulzbach-Rosenberg zu Gast. 1967 ging mit 1.200 Gerstenproben die größte Braugerstenschau Europas in Sulzbach-Rosenberg über die Bühne. In den Wettbewerben auf Landes- und Bundesebene belegte die Oberpfalz mehrmals Spitzenplätze.

Um 1970 war eine Neuorientierung angesagt. Alfred Bitterauf war in den Ruhestand getreten und die Maxhütte hat sich aus der Schirmherrschaft zurückgezogen. Dafür konnte der Bezirkstag der Oberpfalz als neuer Schirmherr und Förderer gewonnen werden. Die organisatorische Leitung übernahm Landwirtschaftsrat Theodor Häußler vom Amt für Landwirtschaft und Bodenkultur Regensburg. Veranstalter war nun der Erzeugerring für landwirtschaftlich-pflanzliche Qualitätsprodukte Oberpfalz e.V.

Aber alles hat seine Zeit. Die Marktverhältnisse für Braugerste waren immer schwierig, die Anbauflächen hierfür mit der Zeit rückläufig. Die Bauern wurden weniger und damit auch die Besucher der Braugerstentagungen. Bei der Qualitätsbewertung traten zunehmend Laborwerte in den Vordergrund. Die Oberpfälzer Braugerstenschau war nicht mehr zeitgemäß, sie wurde mit dem 50-jährigen Jubiläum 1999 eingestellt.

Literatur

Weblinks

www.baierwein.de