Oberpfälzer Seide

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Der Stoff, aus dem die Träume sind – es gab ihn tatsächlich auch aus der Oberpfalz. Im Staatsarchiv Amberg wird zudem ein kleiner Strang Rohseide mit 35 Gramm aus Vohenstrauß aufbewahrt. Aber der Reihe nach:

Über Jahrhunderte gab es auch in Bayern immer wieder Versuche, die begehrte und wertvolle Seide selbst zu herzustellen. Dazu wurden wiederholt große Anstrengungen unternommen, den Weißen Maulbeerbaum Morus alba als Kulturpflanze zu etablieren, dessen Blätter das Futter des gefräßigen Seidenspinners Bombyx mori darstellen. Letztendlich scheiterten all diese Bemühungen an den Wärmeansprüchen des Maulbeerbaumes, welche langfristig bei uns nicht erfüllt werden konnten.

Seit dem Mittelalter…

Konrad von Megenberg (1311-1374), Regensburger Domherr und Universalgelehrter, beschreibt in seinem „Buch der Natur“ auch das „Seidenwürmel“ und vermerkt in seinem Werk „Ökonomik“, dass „solche Raupen auch in unserer königlichen Stadt Regensburg gezüchtet und daraus vor allem Frauenschleier gewebt werden“. In folgenden Jahrhunderten legten die Wittelsbacher Landesherrn immer wieder größere Förderprogramme zur Seidenzucht auf, so unter den Kurfürsten Maximilian (1598-1651), Maximilian III. Josef (1745-1777), Karl Theodor (1777-1799) sowie unter König Maximilian I. Josef (1806-1825). Allen bisherigen Misserfolgen zum Trotz machte auch König Ludwig I. (1825-1848) die Seidenzucht zur Chefsache.

Seidenplantage Regensburg

Dabei sollte ab 1833 Regensburg das Zentrum der bayerischen Seidenzucht werden. Hier betrieb Leutnant Anton Ziegler, der „allerhöchste Protektion genoss“, die Gründung der „Gesellschaft zur Beförderung der Seidenzucht in Bayern“. An dieser Aktiengesellschaft beteiligten sich „Seine Majestät der König von Bayern“, Fürst Maximilian von Thurn und Taxis, der Regierungspräsident des Regenkreises, Herr von Schenk, zwei Bischöfe sowie namhafte Geschäftsleute und Privatpersonen aus Regensburg und Umgebung. Zügig ging man an die Errichtung einer Seidenzuchtstation auf den Winzerer Höhen, „unweit des Calvarienberges“. Erworben wurden 12 Tagwerk Grund, insbesondere vom St. Katharinenspital und von der protestantischen Wohltätigkeitsstiftung zur Anlage einer Maulbeerplantage. Die nötigen 20.000 Setzlinge wurden „durch allerhöchste Gnade“ von der königlichen Plantage in Weihenstephan kostenlos geliefert. In den Folgejahren entstand als Zentralgebäude die sog. „Magnanerie“ zur Aufzucht der Seidenspinner, ausgelegt für 400.000 bis 500.000 Raupen (das dürfte der Beginn der Massentierhaltung gewesen sein). Eingerichtet wurde darin auch die „Filanda“, die Räume zum Abhaspeln der Kokons und Spinnen der Rohseide. König Ludwig I. kam im Jahre 1839 persönlich zur Besichtigung.

Seidenzuchtvereine in Vohenstrauß und anderswo

Die Seidenzucht wurde natürlich auch der breiten Öffentlichkeit als lukrativer Nebenerwerb wärmstens empfohlen. Vielfach konnten vorhandene Gebäude für die zirka sechswöchige Zuchtperiode genutzt werden. Auffallend zurückhaltend war die Landwirtschaft, denn ein Betriebszweig für nur 6 Wochen passte nicht in den Jahresablauf. Raupeneier und Maulbeerpflanzen konnten Interessierte von der Gesellschaft kostenlos beziehen und die Kokons zur Verarbeitung in Regensburg anliefern. Bereits 1833 entstanden 17 Filialvereine der Gesellschaft mit 417 Mitgliedern, so in der Oberpfalz in Neunburg vorm Wald, Pressath, Sulzbach, Cham, Pechhof, Schwarzach, Aichkirchen, Wetterfeld, Eglsried und Kröblitz. Besondere Erwähnung verdient der Filialverein Vohenstrauß. Der dortige königliche Landrichter Haunold zählte zu den Aktionären der Gesellschaft und unterstützte den Ortsverein, der 1843 19 Mitglieder zählte. Erhalten hat sich ein Strang Rohseide aus Vohenstrauß im Staatsarchiv Amberg, 35 Gramm schwer dürfte er keine Chance mehr haben, zu einem Seidentüchlein verarbeitet zu werden.

Wenn auch die in Regensburg produzierte Seide von guter Qualität war, der wirtschaftliche Erfolg der Gesellschaft blieb aus. „Die erreichten günstigen Ergebnisse stehen zu vereinzelt da, um die verwendeten Mühen und Mittel zu rechtfertigen“, heißt es in einem Bericht. 1861 beschlossen die Aktionäre schließlich, die Gesellschaft aufzulösen. Die Anlage auf dem Dreifaltigkeitsberg wurde verkauft, die Maulbeerplantage, „unstreitig eine der schönsten in Deutschland“ war innerhalb kürzester Zeit abgeholzt. Die „Staatsaufgabe Seidenzucht“ war wiederum an den klimatischen Bedingungen sowie an „obwaltenden Schwierigkeiten und Hindernissen“ gescheitert.

Literatur

Weblinks

www.baierwein.de