Steinbergwand
Am Fuß einer Dolomitfelsgruppe am Westhang des Vilstals, ca. 1 km nördlich von Ensdorf und ca. 15 m über der Vils, machten im Jahr 1930 der Ensdorfer Salesianerpater Dr. August Pils und zwei Novizen eine überraschende Entdeckung: bei Grabungen stießen sie auf eine Schicht mit mittelsteinzeitlichen Steinwerkzeugen. Auf Einladung von Pils führte der Ansbacher Heimatforscher Karl Gumpert noch im gleichen Jahr eine zweiwöchige Grabung durch [1]. Es zeigte sich, dass es drei Hauptbesiedlungszeiträume der Steinbergwand gegeben hatte:
• Späte Altsteinzeit (Magdalenien) vor ca. 12.000 Jahren
• Hauptnutzungszeit Mittelsteinzeit (Tardenoisien), ca. 7.000 – 5.000 v. Chr.
• Hallstattzeit (750 – 500 v. Chr.)
Der Platz war nicht durchgehend besiedelt, denn die Jäger und Sammlerinnen der Alt- und Mittelsteinzeit wechselten regelmäßig ihren Standort, waren also noch nicht sesshaft. Hier fanden sie eine vorspringende Felswand, die Schutz bot. Wahrscheinlich war dem Felsdach eine Hütte, etwa aus Stangen und Flechtwerk, vorgelagert. Nachgewiesen sind zwei Herdstellen, der „Winterherd“ nahe an der Wand, wohl innerhalb der Hütte, und der „Sommerherd“ weiter außerhalb.
Ausgedehnte Waldgebiete traten an die Stelle der Tundren- und Steppenvegetation. Die neuen jagdbaren Tiere (Hirsch, Reh, Elch, Auerochs, Wildschwein) zogen in kleineren Gruppen umher, nicht in großen Herden. Auch der Fischfang leistete einen bedeutenden Beitrag zum Speisezettel. So wurde eine neue Jagdtechnik für die Einzeljagd mit spezialisierten, treffsicheren Waffen erforderlich: Pfeil und Bogen, Wurfspeere, Harpunen mit kleinen, sorgfältig geschärften Spitzen. Dies spiegelt sich in den Funden aus dieser Zeit: charakteristisch für die Mittelsteinzeit sind sehr kleine, oft dreieckige Geräte aus Hornstein (Silex), die als Einsätze für die Spitzen der Pfeile, Speere und Harpunen dienten. Auch Werkzeuge aus Knochen (Ahlen, Nadeln) wurden hier gefunden.
Auf dem Speisezettel der Menschen damals standen außer den erwähnten Großwildarten und Fischen auch verschiedene Vogelarten sowie Fuchs, Dachs, Marder, Maulwurf, Fledermaus u. ä. Aber bis zu 40 % der Nahrung wurde gesammelt: Beeren, Nüsse und Vogeleier.
Die Bedeutung der Steinbergwand liegt in der hier erstmals erkannten Untergliederung der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) im süddeutschen Raum [2].
Vor Ort finden sich Infotafeln des Naturparks Hirschwald.
Einzelnachweise
- ↑ Karl Gumpert: Die Abrisiedlung Steinbergwand bei Ensdorf, B.A. Amberg, Oberpfalz. Bayerische Vorgeschichtsblätter 11, 1933, 57ff
- ↑ Silvia Codreanu-Windauer, Uta Kirpal, Gabriele Raßhofer (Hrsg.): Amberg und das Land an Naab und Vils. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 44, 2004, 117-119