Wiesenbauschule Pfrentsch
Es ist schon kurios, die Geschichte der landwirtschaftlichen Fachschulen in der Oberpfalz begann in der hintersten Ecke, in Pfrentsch, an der böhmischen Grenze.
Der dortige „Pfrentschweiher“ diente vormals den Landgrafen von Leuchtenberg zur Fischzucht. Inzwischen in Staatsbesitz wurde er 1840 trockengelegt, wobei die „Pfrentschwiesen“ mit einer Fläche von zirka 400 Hektar entstanden. Das Kreiskomitee des landwirtschaftlichen Vereins regte an, dort eine Musterwirtschaft zu errichten. Wiesen standen damals als Futtergrundlage für die Rinderhaltung hoch im Kurs. Um ihre Ertragsfähigkeit zu erhöhen war es vielerorts geboten, die Wasserverhältnisse durch Entwässerung zu verbessern. Optimaler „Wiesenbau“ bedeutete also den Bau von Drainagen und Entwässerungsgräben, Dämmen, Wehren und Schleusen sowie die Bewässerung durch Berieselung.
Diese Techniken sollten der bäuerlichen Jugend in einer Fachschule nahegebracht werden. Dazu wurde 1855 in Pfrentsch vom Kreiskomitees Oberpfalz des landwirtschaftlichen Vereins eine Weisenbauschule eröffnet. Die Schule mit Internat war für 12 Zöglinge ausgerichtet, das Mindestalter betrug 16 Jahre, die Schuldauer zwei Jahre. Zum Lehrprogramm gehörten aber auch Bodenkunde, die Pflege und Nutzung der Wiesen sowie die Aufbewahrung des Futters. Zum „Vorstand der Anstalt“ wurde der Wiesenbaumeister Johann Greßer bestellt. Dem Schulleiter stand ein Hilfslehrer für den Unterricht in der deutschen Sprache, Geographie, Arithmetik, Geometrie und Zeichnen zur Seite. Mit der Beschränkung auf „Wiesenbau“ war die Schule wohl nicht so ergiebig. 1860 wurde sie fachlich erweitert zur „Kreis-Wiesen- und Ackerbauschule zu Pfrentsch“. Nun gehörten auch die Fächer Ackerbau, Viehzucht und Obstbau zum Lehrprogramm. Breiten Raum nahmen die praktischen Übungen ein, wobei die Zöglinge im Säen, Pflügen, bei der Handhabung verbesserter Geräte und Maschinen, bei der Fütterung und Aufzucht des Viehs, beim Nivellieren und Vermessen sowie in der Drainagenröhrenfabrikation unterwiesen wurden. Der Wirtschaftsbetrieb der Schule umfasste 36 Hektar im Eigentum des landwirtschaftlichen Vereins, 33 Hektar Pachtfläche vom Staatsgut Pfrentsch sowie ein Drainagenröhrenwerk.
Im Laufe der Zeit gab es bei den jährlichen Abschlussprüfungen von Vertretern der Regierung und vom Kreiskomitee des landwirtschaftlichen Vereins, meist vertreten durch den 2. Vorsitzenden Graf Walderdorff, Klagen über den mäßigen Schulerfolg. Während der Schulleiter fachlich anerkannt war, gab es über die Befähigung des Hilfslehrers ohne pädagogische Ausbildung ernste Zweifel. Das Schulkonzept musste überdacht werden zumal in Weiden bereits seit 1869 die landwirtschaftliche Winterschule bestand.
Im Jahre 1874, also nach 20 Jahren, wurde die Schule vom Kreiskomitee wieder geschlossen.
Literatur
- Theodor Häußler: Die Wiesenbauschule Pfrentsch 1855. In: Die Oberpfalz 105 (2017), Heft 5 + 6, Kallmünz.