Wolfringer Schubkarrenbürger
Der Wolfringer Schubkarrenbürger ist ein Idiom. Eine eigentümliche Wortprägung, Wortverbindung, die nur lokal um das Dorf Wolfring herum richtig verstanden werden kann. Die seltsam wirkende Kombination der Worte "Schubkarren" und Bürger" erschließt sich nur, wenn man die besondere Geschichte des Dorfes Wolfring kennt.
Geschichtlicher Hintergrund
Die Ortschaft Wolfring befindet sich in der Gemeinde Fensterbach im Landkreis Schwandorf. Beim Gemeindeteil Wolfring handelt sich um einen Adelssitz mit dazugehörigem Schloss. Der aktuelle Schlossbau stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und ist nun seit zwei Generationen im Besitz der Familie zu Eltz.
Die Wolfringer waren früher in Abhängigkeit zum Gutsherrn gestanden. Sie hatten selbst nur wenig Grund oder Besitz und verdienten sich Ihren Lebensunterhalt im Schloss. Der Lohn für ihre Arbeit war meist nicht Geld, sondern Lebensmittel und Baumaterialien, die sie für Ihr Zuhause oder ihren Lebensunterhalt brauchten.
Deswegen nutzen diese Menschen früher unter anderem einen „Schubkarren" um Ihren Verdienst vom Schlosshof ins Dorf hinunter zu fahren. Das führte dazu, dass die Bewohner der Nachbardörfer auf die Wolfringer gerne mit einem Lächeln herabblickten und sie wie folgt verspotteten:
"Die Wolfringer Schubkarrenbürger sind arme Leute, sie sind nicht ihre eigenen Herren“.
Der Begriff entstand wohl in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem aufkommenden Bürgertum.
Aktuelles
Auch in unserer Zeit, gibt es diese Redewendung noch und sie wird das ein oder andere Mal von Außenstehenden süffisant verwendet, um die Wolfringer aufzuziehen. Wenn man die Geschichte dazu aber näher betrachtet, stellt man jedoch fest, dass dies absolut ungerechtfertigt ist. Die Wolfringer waren fleißige Leute welche, wie es damals üblich war, für den Lehensherrn tätig waren und mit Naturalien entschädigt wurden.
Im Jahr 2019 feierte Wolfring „900 Jahre erste urkundliche Erwähnung“. Aus diesem Anlass heraus entwickelte sich die Idee eine Bronzefigur zum "Wolfringer Schubkarrenbürger" zu erstellen. Erst sollte es nur eine Gedenktafel zu diesem Datum geben. Nach und nach hat sich dann aber der Gedanke zu einer Bronzefigur entwickelt. Man könnte eine Schubkarrenbürger Figur kreieren, kam die Idee auf!
Die ursprünglich negative Besetzung möchten die Wolfringer mit der Bronzefigur gerne in ein neues positives Licht rücken, und ein Stück Geschichte und Dorfkultur in einer Figur umgesetzt zu einem ganz individuellen Identifikationsdenkmal wandeln. Momentan befindet sich das Projekt noch in der Phase der Spendengenerierung um die Figur zu finanzieren.