Hammerschloss Theuern

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Koordinaten: 49° 23' 11.40" N, 11° 54' 38.52" E

Hammerschloss Theuern
Hammerschloß Theuern.jpg
Hammerherrenschloss Theuern von 1780
Adresse:Portnerstraße 1
92245 Kümmersbruck
Lageplan von Schloss und Hammerwerk Theuern auf dem Urkataster von Bayern

Das Schloss Theuern ist ein Schloss in Theuern in der Gemeinde Kümmersbruck im Landkreis Amberg-Sulzbach. Die erhaltenen Gebäude sind unter der Aktennummer D-3-71-136-20 als Baudenkmal verzeichnet. „Archäologische Befunde des Mittelalters und der Neuzeit im Bereich der Kath. Pfarrkirche St. Nikolaus und des ehem. Hofmarkschlosses von Theuern, darunter die Spuren von Vorgängerbauten bzw. älterer Bauphasen der Kirche und des Adelssitzes“ werden zudem als Bodendenkmal unter der Aktennummer D-3-6637-0078 geführt. „Archäologische Befunde des abgegangenen spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Eisenhammers Theuern“ werden ferner unter der Aktennummer D-3-6637-0118 als Bodendenkmal geführt.

Geschichte

Eine Familie von Theuern lässt sich seit dem Ende des 11. Jahrhunderts, gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung Theuerns, nachweisen. Hartnit von „Tiuren“ erscheint in einer Urkunde als Zeuge, die zwischen 1092 und 1114 niedergeschrieben wurde.[1] 1482 wird erstmals in einer Quelle ein Schloss erwähnt.[2]

Ein Hammerwerk bestand in Theuern wohl erst Ende des 15. Jahrhunderts, denn an der Großen Hammereinung von 1387 war Theuern nicht beteiligt. 1518 erwarb die Familie Portner Hammerwerk und Hofmark. Das Hammerwerk selbst lag außerhalb des Schlosskomplexes an der Vils.[2] Aus einem Bericht des Johann German Barbing an den Kurfürst Ferdinand Maria vom 16. Januar 1666 heißt es: Theuern: „Ist ein Schin- und Eisenhammer daselbst, so Gg. Porttners nachgelassenen Erben gehört, wovon die Hammerhütte, die Hammerschmiedhäuser und Wohnungen neben dem Hammer-Haus alles zu gründe gegangen und eingefallen. Daher solches Hammerwerk ganz und gar öd liegt, und keine Hoffnung ist, daß solches von den Inhabern mehr aufgerichtet wird. Anstatt des Hammerwertes ist jetzt eine Mühle samt einer Säge vorhanden, so die Porttner'schen Erben noch besitzen.“ [3]

Bereits 1682 wurde am heutigen Standort des Schlosses von Johann Georg Portner ein „Jägerhaus“ errichtet.

Im Zuge der Gegenreformation wurden die Portners von ihrem Hammergut vertrieben. Nach den Portnern betrieben den Hammer Andreas von Rulands Witwe (1705) und seit 1709 die Lochner von Hüttenbach.

Am 25. August 1780 wurde laut Kirchenbuch der Grundstein zu dem heute noch bestehenden spätbarocken Schloss gelegt; Bauherr war Joseph Christian von Lochner. Das Jägerhaus aus dem 17. Jahrhundert wurde in den Neubau integriert.

Für die Konstruktion des Hammerherrenschloss konnte man den kurfürstlichen Baumeister Wolfgang Diller aus Amberg gewinnen. Bereits in den 1770er Jahren wurden mehrere Wirtschaftsgebäude errichtet, so entstand eine Vierflügelanlage um einen geschlossenen Innenhof. Die Ostfassade des dreigeschossigen Hauptbaus schmückt ein Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel. Im Giebelfeld ist das Ehewappen Lochner-Bibra angebracht. Das wuchtige Hauptportal mit Pilastern und Sprenggiebel stammt – dem Stil nach zu urteilen – vom 1682 errichteten Jägerhaus. Im Inneren hat sich von der einstigen Raumdekoration neben der Treppe mit reich geschnitztem Geländer ein Salon im ersten Obergeschoss mit geschnitzten Rokoko-Türen erhalten.[4] Das Schloss ist ein Putzbau mit einem Krüppelwalmdach; ein abgewinkelter Anbau mit Satteldach stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert

Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern

Der Bau des Adelssitzes war mit dem enormen Kostenaufwand von 20.000 Gulden verbunden. Er stellte eine große Belastung sowohl für den Hofmarksherrn als auch für die zu Fronleistungen verpflichteten Untertanen dar.[2]

Am 17. September 1816 kaufte der königliche Staatsrat Karl Christian von Mann genannt Tiechler das Gut Theuern von der Gräfin Sophie von Hirschberg.

Eisenproduktion in Theuern

1832 hatte die hiesige Eisenhütte einen Hochofen. 1837 erbte Karl Christian von Manns Sohn Ludwig von Mann das Gut.

Als Florian Dorfner das Hammergut am 28. August 1855 für 153.000 Gulden von Ludwig von Mann kaufte, nahmen die Gebäude und Grundstücke eine Fläche von 1707,45 Tagwerk ein. Dreizehn Jahre vorher war das Gut ungefähr gleich groß. Ohne das Mühlenanwesen, den Siegerthof, das Fischergütl und die Schachthütte bei Krumbach umfasste das Gut 1651,93 Tagwerk. 6,76 Tagwerk hiervon nahmen Gebäude und Gärten ein, 40,65 bestanden in Äckern, 38,76 in Wiesen und 4,22 in Ödungen. Die Wälder aber bedeckten 1561,63 Tagwerk. Zum Gut gehörten im Jahre 1855 ein Schloß mit Scheunen und Stallungen, ein Eisenhammer „mit dem Wappenrechte der 3 Flammen“, der aus einem Hochofen, einem Blendofen, zwei Frischfeuern, einem Zainhammer und einem Waffenhammer bestand. Ferner waren noch dabei: ein Brauhaus, ein Keller für das Sommerbier, Häuser für den Jäger, den Verwalter, den Hüttenmann oder Kohlenmesser, den Zainer und den Frischmeister, zum Teil mit Nebengebäuden, dann noch ein Anwesen mit Mahlmühle und Schneidsäge, ein Bauernhof, genannt der Siegerthof, und ein Fischgütl. Bei Krumbach lag eine Schachthütte mit Bergwerk. Mit dem Kaufe erhielt Florian Dorfner außer den mit dem Eisenhammer, dem Brauhaus, der Mahlmühle und Schneidsäge und dem Bergwerk verbundenen Rechten auch das Recht der Präsentation auf die Pfarrei und die Schule in Theuern, das Recht auf die Fischerei in der Vils, auf die Jagd in seinem Besitz, auf das Weiden von Schafen in der Flur Theuern und das Recht, Branntwein zu brennen.[5][6]

Der Theuerner Hochofen lieferte Roheisen und wurde mit Holzkohlen geheizt, die Dorfner zum Teil aus eigenem, zum Teil aus gekauftem Holz brennen ließ. Bis 1856 lieferte Dorfner sein Roheisen größtenteils an die Maschinenfabrik Klett und Co. in Nürnberg, deren Vorstand der Freiherr Cramer-Klett war. In den Jahren 1857 bis 1863 stand Dorfner mit der Eisenwerksgesellschaft Maximilianshütte in Geschäftsverbindung. Um 1860 lieferte er an die genannte Firma rund 20 000 Zentner Roheisen im Jahr. Das Eisenerz, das in Theuern verarbeitet wurde, bezog er teils aus eigenen Gruben – diese waren um 1859 die Zeche Christina bei Engelsdorf und die Zeche Ludwig bei Krumbach – teils aus dem Bergbau bei Amberg, Rosenberg und Sulzbach.[6][7]

Als Florian am 17. November 1878 starb, übergab er das Hammerschloss Theuern seinem jüngeren Sohn Martin Dorfner. Nach Martin Dorfners Ableben am 28. Februar 1915 kam das Gut an dessen Sohn Richard Dorfner. Er verstarb am 1. Oktober 1933. Seine Witwe verkaufte das Waldgut Theuern 1935 an die Berliner Holzgroßhandlung Breba.[8]

Danach gelangte das Schloss in den Besitz der Familie Wittmann.[2] 1972 erwarb der Landkreis Amberg-Sulzbach das Anwesen und errichtete das Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern.

Heutige Nutzung

Das Schloss Theuern beherbergt das Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern. Darüber hinaus wird das Schloss für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und im Unterhaltungsbereich genutzt.

Das Schloss ist Anlaufpunkt zahlreicher Wander- bzw. Radwege, wie der Bier- und Burgenstraße und dem Fünf-Flüsse-Radweg .

Literatur

  • Franz Michael Ress: Bauten, Denkmäler und Stiftungen deutscher Eisenhüttenleute. Verfasst im Auftrage des Vereins Deutscher Eisenhüttenleute. Verlag Stahleisen, Düsseldorf 1960, S. 176

Weblinks

Einzelnachweise

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