Heimat- und Trachtenverein Hirschau
Heimat- und Trachtenverein Hirschau | |
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1. Vorsitzender: | Michael Meier |
Homepage: | www.trachtenverein-hirschau.de |
Der Heimat- und Trachtenverein Hirschau ist ein Trachtenverein aus Hirschau. Der Verein wurde 1947 gegründet. Im Sommer 2023 bezogen die Mitglieder des Trachtenvereins ihr eigenes Vereinsheim.
Geschichte
Der Besuch des Buchbergfestes 1947 in Schnaittenbach war für einige junge Männer Anlass dafür, auch in Hirschau eine Plattlergruppe zu gründen. Der Heimat- und Trachtenverein "Stamm" Schwandorf erklärte sich für die Einübung der Plattler bereit, so dass bereits am 15. August im Gasthaus Weich die erste Tanzprobe stattfinden konnte. Zu dieser Gruppe gesellten sich sehr bald die Damen der Burschen, wie auch andere interessierte junge Frauen, und neben den Plattlern wurden nun auch Volkstänze eingeübt.
Als Musikant konnte Schorsch Held gewonnen werden, der dem Verein bis zu seinem Tode 1977 stets treue Dienste leistete.
Gründungsmitglieder waren (nach mündlicher Überlieferung): Birner Alfons, Birner Wendelin, Dolles Sepp, Emil Engelhardt, Forster Georg (Bert), Häusler Max, Held Georg, Held (Kahrweg) Rosa, Kummer Ernst, Mader Karl, Meyer Lotte, Prößl (Mader) Berta, Siegert (Engelhardt) Hermine, Staudigl (Duschner) Frieda, Streber Fritz, Weich Hans.
Eine Lizenz zur Vereinsgründung wurde damals jedoch nur nach gründlicher Überprüfung durch die amerikanische Besatzungsmacht erteilt. Drei politisch unbescholtene Personen (Wendelin Birner, Georg Hauer, Franz Dolles) wurden gefunden, die sich als Bürgen zur Verfügung stellten; kommissarischer Vorstand war Wendelin Birner.
Am 17. Juli 1948 traf die offizielle Bestätigung ein. Der Verein gab sich den Namen Heimat- und Trachtenverein "Enzian" Hirschau und es wurde die Miesbacher Tracht getragen.
Die Aufnahmegebühr betrug 1,-- DM; der Beitrag belief sich für die aktiven Mitglieder auf 30 Pfennig und für die passiven Mitglieder auf 50 Pfennig pro Monat.
Am 20. Januar 1948 fand in der Gastwirtschaft Böckl die erste Mitgliederversammlung statt, in der erstmals ein Vorstand (Hans Wild) gewählt wurde. Bereits im Januar 1948 schloss man sich dem Gauverband Oberpfalz an und ist in diesem bis heute gut eingebunden.
Am 5. und 6. Juli 1952 feierte der Verein mit zahlreichen Gästen seine Fahnenweihe; Fahnenbraut war Elsa Haberl, Fahnenmutter Anni Lippert. Der Heimat- und Trachtenverein "Stamm" Schwandorf, mit dem seit Anbeginn (bis in die heutige Zeit) freundschaftliche Bande bestehen, übernahm die Patenschaft.
In der Folgezeit war ein rascher Aufschwung zu verzeichnen. Mit den Auftritten der Plattler- aber auch der Theatergruppe machte man sich schnell über die Ortsgrenzen hinaus einen guten Namen. Der alljährliche Faschingsball der Trachtler war aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr weg zu denken. Mit dem aufstrebenden Fremdenverkehr wurden regelmäßig Heimatabende veranstaltet, bei denen allen Gästen das heimatliche Brauchtum, Volkstänze und Liedgut näher gebracht wurden.
Am 15. und 16. Juli 1967 wurde unter der Schirmherrschaft des damaligen Bürgermeisters Willi Bösl das 20-jährige Bestehen mit einem Festzug und einem Heimatabend gefeiert, an dem verschiedene Brudervereine aus dem Gauverband mitwirkten. Gauvorstand Franz Forster aus Amberg, Gauehrenvorstand Paul Schuster aus Schwandorf, Landesvorsitzender Bergmann aus München, Gauvorstand Leykauf aus Regensburg und zahlreiche örtliche Ehrengäste nahmen ebenfalls an den Feierlichkeiten teil.
Im Laufe der Zeit besann sich der Verein auf seine Bodenständigkeit und legte den Beinamen "Enzian" ab. 1959 wurde eine neue heimatbezogene Volkstracht angeschafft. Die Gebirgstrachten landeten im Privatfundus der jeweiligen Besitzer.
Am 15. und 16. Juli 1972 feierte man das 25-jährige Gründungsfest. Den Festabend gestalteten verschiedene Vereine des Gauverbandes Oberpfalz mit Musik- und Tanzdarbietungen. Ein großer Festzug bewegte sich am Sonntag durch die Ortsmitte von Hirschau. 2. Gauvorstand Hans Weiß vertrat den Gauverband Oberpfalz; Schirmherr war Bürgermeister Willi Bösl. Gegen Ende der 70er Jahre entschloss sich der Heimat- und Trachtenverein, für seine Mitglieder die erneuerte Oberpfälzer Tracht anzuschaffen, wie sie bis heute getragen wird.
Am 8. Juni 1986 übernahm der Heimat- und Trachtenverein Hirschau für den Heimat- und Volkstumsverein „Ehenbachtaler“ aus Schnaittenbach anlässlich deren Fahnenweihe die Patenschaft.
Vom 18. bis 20. Juni 1987 konnte der Heimat- und Trachtenverein Hirschau sein 40-jähriges Bestehen mit dem Gaufest feiern, unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Helmut Rösch. Der Heimatabend wurde vom Jubelverein, dem Patenverein "Stamm" Schwandorf und Patenkind "Ehenbachtaler" Schnaittenbach gestaltet. An dem stattlichen Festzug beteiligten sich neben den örtlichen Vereinen sehr viele Trachtengruppen aus der Oberpfalz, Niederbayern und Franken. Der Gauverband Oberpfalz repräsentierte sich durch die gesamte Gauvorstandschaft unter Gauvorstand Erich Tahedl, zahlreiche Gauehrenmitglieder und sämtliche Gauvereine. An diesem Fest wurde unsere restaurierte Vereinsfahne neu gesegnet.
Zum 50-jährigen Vereinsjubiläum am 21. und 22. Juni 1997 wurde abermals das Gautrachtenfest des Gauverbandes Oberpfalz nach Hirschau geholt. Die Schirmherrschaft hatte wiederum Bürgermeister Helmut Rösch übernommen. Für den Festgottesdienst komponierte Vereinsmitglied Karl-Heinz Knorr eigens eine Messe, die von Frauen und Männern des Trachtenvereins Hirschau gesungen wurde. Ein großer Festzug führte unter Mitwirkung zahlreicher Vereine durch die Innenstadt. Der Gauverband Oberpfalz war durch Gauvorstand Erich Tahedl und die gesamte Gauverwaltung vertreten.[1]
Im Februar 2019 bot der damalige Vorsitzende des Festspielvereins Hans Drexler an, im zweiten Stock der Alten Mälzerei des Pflegschlosses oberhalb des Lagerraums des Festspielvereins einen Jugend- und Übungsraum sowie unter der Tribüne einen Lagerraum einzurichten. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im November 2020 beschlossen die Mitglieder, das Angebot anzunehmen. Bereits im Frühjahr 2022 konnte der Lagerraum bezogen werden.[2]
Mit dem Ausbau des Jugend- und Übungsraums konnte der Verein erst beginnen, nachdem der Festspielverein den Rohbau fertiggestellt hatte. Im Winter 2021/22 wurde dann mit dem Abbruch und dem Wiederaufbau einiger Mauern begonnen. Die eigentlichen Ausbauarbeiten begannen im März 2022. Die Kosten beliefen sich auf etwa 40.000 EUR. Das Projekt wurde von der AOVE mit rund 9000 Euro bezuschusst. Vom Kreisjugendring erhielt der Verein eine Förderung in Höhe von ebenfalls 9000 Euro, verteilt auf drei Jahre. Die Stadt Hirschau beteiligte sich mit etwa 5000 Euro an dem Vorhaben. Darüberhinaus erbrachten 22 Mitglieder des Heimat- und Trachtenvereins 1.930 Stunden an Eigenleistung. Am 18. Juni 2023 wurde das Vereinsheim durch Diakon Richard Sellmeyer und Pfarrer Stefan R. Fischer offiziell eingeweiht.[2][3]
Liste der Vorstände
1947: Wendelin Birner (kommissarisch)[4]
1948: Hans Wild
1949: Hans Pfab
1950 bis 1954: Hans Wild
1954 bis 1961: Sepp Dolles
1961 bis 1974: Hans Wild
1974 bis 1978: Edwin Steinl
1978 bis 1980: Emil Engelhardt
1980 bis 1982: Edwin Steinl
1982 bis 1990: Emil Engelhardt
1990 bis 1999: Edwin Steinl
1999 bis 2011: Alfred Naber
2011 bis 2016: Franz Dolles
seit 2017: Michael Meier
Tracht
Geschichte
Bei Gründung des Vereins im Jahr 1948 wurde die Miesbacher Tracht sowohl von den Erwachsenen, wie auch von der Vereinsjugend getragen. Im Laufe der Zeit besann man sich wieder auf die Bodenständigkeit und beschloss 1959, eine neue heimatbezogene Volkstracht anzuschaffen, die Ende der 70er Jahre erneuert wurde.[5]
Beschreibung der Tracht
Frauen
Kleid aus Wollstoff: kirschroter wadenlanger Rock mit kleinen eingewebten mittel- und dunkelblauen Röschen, schwarzes Mieder mit dreifacher Biesennaht am Ausschnitt und im Rückenteil;weiße Baumwollbluse
- hochgeschlossen, mit Stehkragen und glattem ¾ langem glatten Ärmel, an der Schulter gefältelt, o d e r
- runder Ausschnitt mit breiter Spitze, weitem Keulenärmel bis zum Ellenbogen, mit breitem Spitzenabschluss; blaue oder grüne Schürze aus Baumwolle mit Rankenmuster; weiße Strümpfe; schwarze Schuhe
Männer
schwarze Kniebundhose aus Leder oder Stoff; weißes Hemd; weinrote Wollschleife mit eingewebter grau-blauer Borte; königsblaues Samtleiberl, mit doppelreihigen silbernen Talern; hüftlanger brauner Wolljanker mit schwarzem Stehkragen und doppelreihigen Silbertalern; breitkrempiger flacher Hut aus grauem Filz mit Wollborte; weiße Kniestrümpfe; schwarze Schuhe.
Festtracht der Frauen
Rechtzeitig zum 40-jährigen Bestehen ist es gelungen, in Zusammenarbeit mit dem damaligen Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer und Frau Anna Tahedl vom Heimat- und Volkstrachtenverein „Stamm“, für die Frauen eine Festtracht anzuschaffen, die an eine authentische örtliche bäuerliche Tracht (ca. 130 Jahre alt) anknüpft. Dieses Gewand wurde uns von Frau Maria Wild, der Ehefrau unseres verstorbenen Ehrenvorstandes, überlassen, die diese wiederum von ihrer Großmutter erhielt. Das Festkleid ist gefertigt aus mittelblauem Kunstseidenbrokat; viereckiger Ausschnitt mit umlaufender reichaltiger Verzierung; weiter Keulenärmel, an der Schulter gestiftelt, zum Handgelenk schmal verlaufend, mit abschließender Bortenverzierung; gestiftelter Rock in "Maßkrug"-Länge; das Schultertuch und die Schürze bestehen aus Seide oder Halbseide, jeweils unterschiedlich im Muster und in der Ausführung; das Tuch ist unter dem Ausschnitt und nur teilweise sichtbar; weiße Strümpfe; schwarze Schuhe.
Zur Abrundung der Festbekleidung tragen die Frauen auf dem Hinterkopf eine goldene Riegelhaube, die von der jeweiligen Besitzerin in durchschnittlich 230 Arbeitsstunden selbst gefertigt wurde.[5]
Einzelnachweise
- ↑ Geschichte, abgerufen am 14. Februar 2025
- ↑ 2,0 2,1 Werner Schulz: Neues Heim des Heimat- und Trachtenvereins Hirschau ein Schmuckstück, in: onetz.de. Oberpfalz Medien GmbH, vom 22. Mai 2023
- ↑ Werner Schulz: Neues Vereinsheim der Hirschauer Trachtler eingeweiht, in: onetz.de. Oberpfalz Medien GmbH, vom 21. Juni 2023, abgerufen am 14. Februar 2025
- ↑ Aushang im Vereinsheim des Trachtenvereins Hirschau
- ↑ 5,0 5,1 Tracht | Heimat und Trachtenverein Hirschau e.V., abgerufen am 1. März 2025