Pfarrkirche St. Martin Wutschdorf
Koordinaten: 49° 28' 47.23" N, 11° 59' 2.06" E
Pfarrkirche St. Martin Wutschdorf | |
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Adresse: | Kirchplatz 9 92272 Freudenberg |
BLfD-ID: | D-3-71-122-41 |

Die Wutschdorfer Pfarrkirche steht auf einer kleinen Anhöhe im alten Ortskern von Wutschdorf, umgeben von einem ummauerten Friedhof. Patron ist der hl. Martin. Das weist auf ein hohes Alter hin - in die Zeit der fränkischen Könige, denn St. Martin war fränkischer Schutzpatron. Das Turmuntergeschoss der heutigen Pfarrkirche ist noch romanisch. Ebenfalls romanisch ist der Taufstein in der Taufkapelle (Zugang links vom Hochaltar): ein halbkugelförmiges Becken mit zylindrischen Schaft, am oberen Beckenrand ein Fries mit kleinen Schilden. Die stimmungsvolle Taufkapelle ist Teil einer gotischen Vorgängerkirche. Sehr schön ist das gotische Kreuzrippengewölbe. Die Hohlrippen verlaufen ohne Konsolen tief in die Mauerecken. Passend zum Raum hängt an der Wand eine Gruppe, die die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer darstellt. Heute ist die Kapelle auch Andachtsstätte zur Mutter Gottes; vor der Fatima-Statue brennen häufig Kerzen.
Aus gotischer Zeit stammen auch zwei Figuren an den Langhauswänden der Pfarrkirche, links St. Nikolaus, dargestellt als Bischof mit drei goldenen Kugeln (15. Jahrhundert) und rechts St. Blasius, dargestellt als Bischof mit gekreuzten Kerzen (um 1500). Von einer gotischen Vorgängerkirche stammt ferner ein inzwischen etwas verwitterter Schlussstein mit Christuskopf an der Friedhofsmauer. Deutlich sieht man die Ansätze der gotischen Gewölberippen. Die Vorgängerkirche wurde 1577 vom Oberhaupt der Herrschaft Freudenberg, Hans von Freudenberg, wieder hergestellt, nachdem sie zuvor sehr verfallen war. Auch das war eine Auswirkung des Streits zwischen den beiden Freudenberger Linien; die Friedrichlinie mit Georg und Hans von Freudenberg blieb katholisch, während die Christoff-Llinie mit Hans Christoff sich der Reformation zuwandte. Zeitweise hat es deshalb gar keinen Pfarrer in Wutschdorf gegeben. Besonders rücksichtslos hat Hans Christoff die Kirchengüter an sich gezogen und ausgebeutet. 1567 war deshalb an Kircheneinkünften "nicht vorhanden" was nach dem Tod Hans Christoffs 1568 erst wieder in Ordnung gebracht werden musste. Dabei hatte Hans Christoff seit Anfang der fünfziger Jahre einen evangelischen Pfarrer in Wutschdorf durchgesetzt. Hans von Freudenberg hat auch nach seiner alleinigen Regierungsübernahme dies nicht mehr rückgängig machen können. Doch hat er genauso wie sein früher verstorbener Bruder Georg (†1575) die Pfarrkirche seit Einführung des evangelischen Gottesdienstes nicht mehr betreten. Auch ließen sie einen katholischen Priester aus Pfreimd kommen, der in der Jakobikirche taufte und die hl. Messe feierte, was wiederum Hans Christoff zum Zorn reizte. Nach der Niederlage Kurfürst Friedrichs V. von der Pfalz in der Schlacht am Weißen Berg 1620 kehrte die Oberpfalz zu Bayern zurück und damit auch die Bevölkerung der inzwischen ehemaligen Herrschaft Freudenberg zum katholischen Glauben.
Die heutige Pfarrkirche ist ein heller barocker Saalbau, größtenteils wohl aus dem 17. Jahrhundert. 1835 wurde sie nach Westen erweitert. Ungewöhnlich für eine Barockkirche ist, dass kein ausgesonderter Altarraum vorhanden ist. Alle drei Altäre stehen an der breiten Ostwand, die Seitenaltäre sind über Eck gestellt. 1788 erhielt die Kirche anstelle eines Getäfels, also einer Holzdecke, die heutige Weißdecke mit den Stichkappen über den Fenstern und die Pilaster an den Wänden. Im selben Jahre wurde der Turm erhöht und die südliche Sakristei angebaut. Bei der Renovierung 1968/69 wurde noch ein großzügiger Sakristeibau angefügt.
Der Turm mit seinem originellen Turmhelm, der oben ohne Laterne direkt in die Zwiebel übergeht, prägt das äußere Erscheinungsbild der Pfarrkirche.
Im Inneren wird der Blick sofort auf den majestätischen viersäuligen Hochaltar mit Akanthusschnitzwerk gezogen (um 1700). Wie die gleichfalls viersäuligen Seitenaltäre ist er den nach Rissen des Amberger Jesuitenfraters Johannes Hörmann gefertigten Altären nahe verwandt. Während der Hochaltar selber noch die Klare Form des Jesuitenbarock trägt, zeigt der zugehörige Tabernakelaufbau schon die beschwingteren Formen des Rokoko. Das Altarbild stellt den Kirchenpatron St. Martin dar, umgeben von zwei Engeln, die Stab und Mitra halten; unter dem Mantel des Heiligen schaut eine "Martinsgans" hervor. Darüber schwebt die HI. Dreifaltigkeit. Wenn auch das Bild erst 1858 gemalt wurde, so ist das doch für katholische Barockkirchen charakteristisch: Am Hauptaltar ist oben meist die HI. Dreifaltigkeit dargestellt. Man wollte deutlich unterscheiden: Die Anbetung gebührt dem dreifaltigen Gott, während den Heiligen nur unsere Verehrung gilt. Sie sind uns Freunde, Fürsprecher, Vorbild. Das Ewige Licht, das vor dem Hochaltar brennt, weist auf die Anwesenheit des Hausherrn im Tabernakel hin, auf die Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie. Der Hochaltar wird flankiert von einer großen Herz-Jesu- und einer Herz-Marien-Figur (beide 1907).
Der linke Seitenaltar ist Maria geweiht. Das Altarbild (19. Jahrhundert) zeigt die Krönung Mariens. Darunter stehen zwei kleine Halbfiguren des Kaiserpaars Heinrich und Kunigunde. Dazwischen hat eine bekleidete Pieta ihren Platz gefunden, ein schönes Beispiel barocker Volkskunst: Maria trägt ihren toten Sohn auf dem Schoß; dahinter als Kulisse das leere Kreuz mit den Leidenswerkzeugen Lanze und Schwamm. Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Laurentius geweiht. Das Altarbild (19. Jahrhundert) zeigt das Martyrium des Heiligen. Laurentius muss den glühenden Rost besteigen. Einer seiner Peiniger deutet auf eine Götterstatue im Hintergrund; so könne er sein Leben retten. Doch Laurentius weist mit dem Finger nach oben, wo schon die Krone der Herrlichkeit auf ihn wartet.
Originell ist der barocke Osterleuchter: Eine Engelsfigur hält die Osterkerze. Ein Engel hat den Frauen die Botschaft von der Auferstehung Jesu verkündet; eine Engelsfigur verkündet in Wutschdorf die Botschaft vom auferstandenen Herrn.
Sehenswert am Volksaltar von 1986 ist eine Schnitzerei mit der Emmausszene: Die Jünger erkennen den Herrn, als er das Brot bricht. Die Kanzel an der rechten Langhauswand ist ein einfaches Rokokowerk, das der Amberger Schreiner Leonhard Bacher 1789 gefertigt hat. Ihr gegenüber hängt eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes unter dem Kreuz. Davor, ebenfalls auf der linken Seite, steht auf einer Konsole die barocke Figur des Apostels Jakobus mit Pilgerstab und Buch in der Hand. Er ist der Patron der Pilger und der Freudenberger Jakobikirche. Ihm gegenüber hängt die Figur des hl. Josef (19. Jh.).
Die Deckenbilder zeigen das Christkönigsthema und wurden von Josef Wittmann 1956 gemalt. Das mittlere Fresko stellt Christus als König dar, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten. Im vorderen Fresko huldigt ihm das Volk des Alten Bundes. König David mit der Harfe ist zu sehen. Aber es ist auch schon der Ubergang zum Neuen Bund dargestellt: Johannes der Täufer, Josef und Maria. Im rückwärtigen Fresko huldigt ihm das Volk des Neuen Bundes: In der Mitte sieht man eine Reihe von Aposteln, unter anderen Andreas mit dem schrägen Kreuz, Petrus mit dem Schlüssel, Jakobus mit Pilgerstab, Paulus mit Buch und Schwert und Judas Thaddäus mit Keule. Davor stehen drei Bischöfe, in der Mitte der Kirchenpatron St. Martin mit Bettler und Gans sowie rechts der Bistumspatron St. Wolfgang mit dem Kirchenmodell. Eingerahmt werden sie unten von Heiligen, die mit der Landwirtschaft zu tun haben. Dies ist ein Hinweis dafür, dass die Landwirtschaft 1956 noch eine große Rolle gespielt hat. Zu erkennen sind Isidor als Bauer, Wendelin mit Schaf, Leonhard als Mönch mit Kette, Notburga mit der Sichel und Nikolaus von Flüe. Vom gleichen Künstler stammen die vierzehn Kreuzwegstationen (1957). Als barocke Handwerksarbeit strahlen auch die Stuhlwangen einen eigenen Reiz aus.
Die Orgelempore ist mit Rahmenschmuck verziert, ihr Mittelstück halbkreisförmig vorgezogen. Im neubarocken Orgelgehäuse von 1896 befindet sich eine wertvolle Orgel, die von der Firma Mathis 1990 gebaut wurde. Über dem Emporenaufgang hängt ein Ölgemälde des hl. Wendelin, Patron der Landwirtschaft (19. Jh.), unter der Empore rechts ein Bild der hl. Therese von Lisieux und links ein Ölbergbild (Ernstberger 1874). Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass bei der Kirchenvisitation von 1583 ein Ölberg außerhalb der Kirche erwähnt wird. Von ihm sind nur noch ein Christuskopf und ein Petruskopf vorhanden.
Nicht übersehen sollte man auch einen barocken Wiesheiland (Christus an der Geißelsäule, wie er in der berühmten Wieskirche verehrt wird), der sich in einer verglasten Nische an der Friedhofsaußenwand rechts neben dem Kriegerdenkmal befindet.
Weblinks
Commons: St. Martin (Wutschdorf) – Sammlung von Bildern
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