Pischdorf

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Pischdorf (2022)

Pischdorf ist der Name eines Ortsteils in der Gemeinde Guteneck im Landkreis Schwandorf.

Lage

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Pischdorf liegt an der Kreisstraße SAD 38, die von Gleiritsch kommend über Guteneck nach Willhof führt. An Pischdorf vorbei fließt der östlich von Gleiritsch entspringende Katzbach, der östlich des Katzensteins seine Quelle hat. Er und mündet bei Willhof in die Schwarzach.

Namensherkunft

Älteste Siedlungsnamen in der Gegend um Pischdorf sind die nachweislich slawischen Siedlungen Trefnitz, Hohentreswitz, Gleiritsch[1] und Teunz. Weiter fallen in den ehemaligen Landkreisen Nabburg und Oberviechtach drei große Gruppen von Ortsnamen auf, die über die Siedlungstätigkeit in dem Raum Aufschluss geben. Das sind die -dorf-Orte (Pischdorf, Luigendorf, Rottendorf) als älteste Siedlungsform in dem Gebiet[2], dann die -richt- bzw. -ried-Orte und später die -hof-Orte Bernhof. Bei den -dorf-Orten handelte es sich um Basissiedlungen, denen die -richt- und -ried-Orte im 11. und 12. Jahrhundert folgten. Diese waren Rodungssiedlungen[3] (Grafenricht, Hartenricht, Dürnsricht, Frotzersricht, Traunricht, Zilchenricht, Trichenricht und Lampenricht). Urkundlich belegte Quellen liegen bisher nicht vor, allein aufgrund des Ortsnamens ist von einer Gründung nach der Jahrtausendwende auszugehen.

Aus der Geschichte

Besitzgeschichte

Die Brüder Pruno, Ludewicus und Rudegerus von Willhof schenkten ihren Anteil an einem Landgut, den sie in Pischdorf (Pisschofesdorf) besaßen, um 1150 dem Kloster Reichenbach. Irinfrid von Swerzinfelt (Schwarzenfeld) erhielt die Besitzungen bei Pischdorf. Er gab sie an Reginger von Tännesberg zur Verwaltung weiter.[4] Ab dem 14. Jahrhundert übernahmen die Muracher die Besitzungen in Pischdorf. Jordan von Murach erhielt am 10. Juni 1315 die Vogtei Weidenthal und Pischdorf zum Lehen.[5] Im Jahre 1524 übernahm Albrecht von Murach neben der Vogtei Weidenthal die Vogtei Pischdorf. Er übte den militärischen Schutz aus und war für die Gerichtsbarkeit zuständig.[6]

Dreißigjähriger Krieg

Der Dreißigjähriger Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Europa und zugleich ein Religionskrieg, der auch 1621 die Oberpfalz erreichte und verheerende Auswirkungen in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Art hatte. Auch das Amt Nabburg, zu dem Pischdorf gehörte, war davon stark betroffen. Raub, Brand und Plünderungen setzten die Leute in Angst und Schrecken, die Viehbestände waren stark reduziert. Seuchen und Hungersnöte dezimierten die Bevölkerung im Amt Nabburg in dieser Zeit um etwa 40 Prozent.[7] Die Bewohner Nabburg und der umliegenden Dörfer mussten für die Kriegskosten aufkommen. So hatte Pischdorf in den Jahren 1628 bis 1651 Kriegsaufwendungen in Höhe von 1057 Gulden zu tragen.[8]

Gemeindebildung

Das Königreich Bayern wurde 1808 in 15 Kreise eingeteilt. Diese Kreise wurden nach französischem Vorbild nach Flüssen benannt (Naabkreis, Regenkreis, Unterdonaukreis).[9] Die Kreise gliederten sich in Landgerichtsbezirke. Die Bezirke wiederum sollten in einzelne Gemeindegebiete eingeteilt werden. 1811 wurde das Landgericht Nabburg in 58 Obmannschaften, einer untersten Verwaltungseinheit, die einer Gemeinde entspricht, eingeteilt. Eine davon war Unteraich, bestehend aus den Dörfern Unteraich, Mitteraich, Oberaich, Pischdorf, Guteneck, Oberkatzbach, Häuslberg und Maximilianshof.[10] Nach dem Gemeindeedikt von 1818 gab es am 14. Juni 1819 ein Verzeichnis der bestehenden Gemeinden im Landgericht Nabburg.[11] Die Gemeinde Pischdorf bestand aus den Ortschaften Pischdorf mit 45 Familien und der Einöde Maximilianshof mit drei Familien.[12] Im Jahre 1842 wohnten in Pischdorf 26 Familien. Die Einwohnerzahl lag bei 194. Am Maximilianshof wohnten zwei Familien mit insgesamt sieben Personen.[13]

Auflösung der Gemeinde Pischdorf

Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Pischdorf aufgelöst und in die Gemeinde Guteneck eingegliedert.[14]

Gebäude/Firma/Dienstleistung

Hausnummer 14 Metzgerei Wilhelm

Sehenswürdigkeiten

  • Kirche St. Stephan

Literatur

  • Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, München 1981, ISBN 3-7696-9915-7
  • Ernst Emmering: Die Regierung der Oberpfalz, Geschichte einer bayerischen Mittelbehörde. Beiträge zur Geschichte und Landeskunde der Oberpfalz, Heft 20, Regensburg 1981
  • Ernst Schwarz: Sprache und Siedlung in Nordostbayern. Nürnberg 1960
  • Georg Hager: Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Oberpfalz und Regensburg, VII Bezirksamt Oberviechtach, München 1906.
  • Alois Köppl: Aus der Geschichte der Gemeinde Gleiritsch. Gemeinde Gleiritsch 1988, 2. Ausgabe.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Alois Köppl, Aus der Geschichte der Gemeinde Gleiritsch. Gemeinde Gleiritsch 1988, 2. Ausgabe, S. 32
  2. Schwarz, Ernst, Sprache und Siedlung in Nordostbayern, Nürnberg 1960, S. 80 ff.
  3. Schwarz, Ernst, Sprache und Siedlung in Nordostbayern, Nürnberg 1960, S. 129.
  4. Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Heft 50, Nabburg, S. 34.
  5. Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Heft 50, Nabburg, S. 174.
  6. Staatsarchiv Amberg, Lehensurkunden Oberpfalz, Nr. 21402.
  7. Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Heft 50, Nabburg, S. 85.
  8. Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Heft 50, Nabburg, S. 87.
  9. Ernst Emmering, Die Regierung der Oberpfalz, Geschichte einer bayerischen Mittelbehörde. Beiträge zur Geschichte und Landeskunde der Oberpfalz, Heft 20, Regensburg 1981, S. 12 ff.
  10. Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Heft 50, Nabburg, Nabburg, S. 407.
  11. Staatsarchiv Amberg, Landgericht älterer Ordnung, Nabburg, Nr. 1179.
  12. Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Heft 50, Nabburg, S. 415.
  13. Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Heft 50, Nabburg, S. 427.
  14. Elisabeth Müller-Luckner: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. Heft 50, Nabburg, S. 436.